Adelheid Hanselmann Biographie

Allgemeines Künstler-Lexikon Band 69

Autorenversion des Textes für das bei De Gruyter (ehemals Saur-Verlag Leipzig) erscheinende „Allgemeine Künstlerlexikon – Die Bildenden Künstler aller Länder aller Zeiten“, Band 69, erschienen 2010/11

Künstlername: Adelheid Hanselmann

Sortiernahme: Adelheid Hanselmann-Erne

And. N-Komb.:

Cf-Künstler: keine

Geschlecht: w

Bildkünstl. Beruf: Bildhauerin, Malerin, Goldschmiedin

Staat (aktuell): Schweiz

GEO-Nachweis: Schweiz

Geburtsdatum: 13.09.1946

Todesdatum:

Geburtsort: Schönenwerd

Letzte Erw.: 2009

Tätigkeitsort: Olten, Paris, Zürich

 

Adelheid Hanselmann (geb. Erne), Schweizer Bildhauerin, Malerin, Schmuckkünstlerin. *13.09.1946 in Schönenwerd/SO. Prägend für die Familie und die Kindheit von Adelheid Erne ist die Bally AG. Grossvater, Vater, Mutter –  alle stehen im Dienst der international tätigen Schuhfabrik; Fritz Erne als Kaufmann, später als Werbeleiter, Margrith Erne-Gysi testet u.a. die neuen Modelle. Die Verbindung von Kreativität und Funktionalität fasziniert auch AE. Sie will nicht ins Gymnasium, sondern Goldschmiedin werden. Sie hat an der Kunstgewerbeschule Basel (1962-67) das Glück in Bildhauer Alfred Gruber (1931-1972) einen Lehrer zu haben, der in Basel das Giessen von Silber- und Goldschmuck nach dem Cire Perdue-Prinzip in den Unterricht einbringt. Als Assistentin in seinem Atelier im Steinbruch Laufen (BL) findet sie zur freien Kunst. Noch während der Weiterbildung in dreidimensionalem Gestalten in Basel (1967-70) erhält AE für kleinformatige, gleichsam gewoben wirkende Bronzegüsse ein Eidgenössisches Stipendium für freie Kunst (1968). 1970 heiratet sie den Grafiker und Maler Urs Hanselmann, richtet in Olten ihr erstes Atelier für Schmuck und Skulptur ein und tritt der Solothurner GSMBA bei. Beginn der Lehrtätigkeit im Bereich Schmuck und Gerät an der Kunstgewerbeschule Zürich, heute Zürcher Hochschule der Künste, (bis 2006). Ihre Skulpturen bleiben klein, sind oft nur 5 bis max. 25 cm gross; bewusst, denn „da fühlte ich mich sicher“, sagt AH. Stilistisch bewegt sie sich im Umfeld der ungegenständlichen Schweizer Plastik der 50er-/60er-Jahre; unter dem Einfluss aussereuropäischer Formensprachen integriert sie bald schon surrealistische Momente; versteckt klingt Weiblich-Figürliches an. Olten hat in dieser Zeit eine lebendige Kunstszene; AH ist Mitbegründerin der Wandergalerie A6 (1971) und des Oltner Kunstmarktes (1972). Ab 1974 integriert sie Fundstücke, u.a. aus Holz, kombiniert ihre Güsse aber auch mit Steinen. Die Formen werden einfacher, architekturnaher, bleiben indes taktiler Sinnlichkeit verpflichtet. Für die 6. Schweizer Plastikausstellung in Biel schafft sie 1974/75 die bewegliche Gross-Skulptur  „Wo sich die Winde zum Spiele finden“ (Eisen/Stein/Tuch). Sie ist eine der wenigen national beachteten Bildhauerinnen der Schweiz in dieser Zeit. 1977 Eidgenössisches Stipendium für Freie Kunst und Werkpreis des Kantons Solothurn. 1978 Umzug von Wohn- und Ateliersitz nach Zürich. Scheidung. Gewinnt  1978 den Kunst am Bau-Wettbewerb  für den Lichthof der Universität Irchel, Zürich (Ausführung 1980/83) und 1980 jenen für die Gartenanlage des Krankenheims Oberi in Oberwinterthur. Gewinnt/gestaltet bis 2005 nahezu 30 öffentliche und kirchliche Aufträge, vor allem in den Jurasüdfuss-Kantonen. In den in verschiedensten Materialien ausgeführten plastischen und malerischen Arbeiten in Aussen- und Innenräumen verbinden sich abstrakte architektonische Aspekte mit inhaltlichen Themen wie Natur, Vergänglichkeit und Spiritualität. Häufig sind gezackte, flügelartige oder schlangenähnliche Formen; auch Schiffe. 1981/82 weilt AH 6 Monate in der Cité des Arts in Paris; ohne Bildhauer-Werkstatt entdeckt sie die Malerei für sich. Figürliches, Weiblich-Männliches nimmt Form an. Die Farbe wird in der Folge zum konstituierenden Element ihres Kunstschaffens. Besucht Vorlesungen zu psychoanalytischen Fragen. Wird Mitglied der Schweiz. St. Lukas-Gesellschaft. Plastisches und Farbbetontes verschmelzen, anfänglich reduziert, ab Mitte der 1980er-Jahre vermehrt den sanften Surrealismus der 1970er aufnehmend und der Fantasie, dem Traum Raum gebend. „Kreisend fliegen“, „Flussufer“, „Keimling“, „Chimäre“ sind Bildtitel dieser Zeit (meist Tempera auf Papier). 1988 Werkpreis des Kantons Solothurn, 1989 Einladung zu „Eisen 89 – Schweizer Eisenplastiker 1934-89“ in Zürich-Dietikon. Poetische Reliefs verbinden Malerisches und Plastisches, Gegenständliches und Ungegenständliches. Intuitive Bleistift-Skizzen auf Papier bilden eine Art unterirdische Fährte, zum Teil mit Texten: „Nütze den Rückenwind, geh voran“. 1995  Preis für Bildende Kunst des Kantons Solothurn. Ab 1999 vermehrt systemische Bildkonzeptionen, kaum mehr plastische Arbeiten. Entwickelt auf intuitive Weise  ein mit weichen Kontraste arbeitendes  Farben-Alphabet, das als systematisch angewandte Bildsprache geometrische Setzungen generiert. Später freiere Anwendung zwischen Fiktion und System, fliessenden und statischen Formen, erzählerischen und abstrakten Komponenten. Parameter können Sternbilder, Landkarten oder auch Abbildungen mythologischen Inhalts sein. 2001 Einzelausstellung im Kunstmuseum Olten, zu welcher die erste Monographie erscheint. Partnerschaft mit dem Kunstvermittler und Kurator Peter Killer.  2004-2009 Ausbildung zur Dipl. Individualpsychologischen Beraterin SGIPA am Alfred Adler Institut Zürich. 2006 Rückzug aus dem Lehrberuf. Aufgabe des Ateliers in Zürich. Zieht zurück nach Olten. Intensive Beschäftigung mit Malerei. 2009 Anerkennungspreis der Stadt Olten.

 

Werke der Künstlerin mit Standortnamen:

BÄTTWIL Kreisschule Leimental, „Sieben Dörfer“; 7 gegossene Stahlreliefs (1995/96, Kat.). BIBERSTSEIN, Schloss, Wandgemälde; Acryl auf Verputz (2005). BUCHS (AG), Chocolat Frey, „Honi soit qui mal y pense“; Acryl auf Verputz (2005). HOFSTETTEN Kirche St. Niklaus, 52-teiliger Bilderfries, 8 farbige Glaskörper (1997/98, Kat.). HÜTTWILEN (TG) Arbeitserziehungsanstalt Kalchrain, Reliefs, Objekte, Spielfiguren, Gartenhaus; Bronze, Holz, Stahl (1985/86). LUGANO Collezione «Arte svizzera contemporanea», Fondo Cotti. LUTERBACH Mehrzweckhalle, Stele/Wandgestaltung; rostfreier Stahl, Acryllack (1999). OENSINGEN Schulhaus Oberdorf, Pausenhallen-Decke, Acryllack auf Metall (1992/94). OLTEN Kunstmuseum. – Heilpädagogische Schule, „Farbige Sprache“, 11 Bildtafeln (1997/98). PFÄFFIKON Sammlung Seedamm-Kulturzentrum Charles und Agnes Vögele. SOLOTHURN Kantonale Kunstsammlung. -– Haus am Land, „Energien“, Wandmalerei/Relief; Acryllack, Beton gestockt (1993/94, Kat.). – Kantonale Psychiatrische Klinik, 22 Objekte; Stahl, Kupfer, Bronze, Aluminium, Pelz, Stoff, Farbe, Spiegel u.a. (1993/94, Kat.). WANGEN/OLTEN Gemeindehaus, „Lebensbaum“; rostfreier Stahl, Acryllack (1991).WINTERTHUR Krankenheim Oberi, «Spiel», «Feuer», «Reife», «Reflexion»; rostfreier Stahl, Bronze, Corten-Stahl, Polyester, Email (1981/82). ZÜRICH Kantonale Kunstsammlung. – Universität Irchel, „Wasser Erde Luft Licht Verantwortung“; Stahl, Bronze, Aluminium, Glas, Wasser, Erde (1980/83). – Universität/ Institut Plattenstrasse, „Konfliktraster“; Aluminium eloxiert, eingefärbter Beton, Granit, Porphyr (1986/91, Kat.).

 

Ausstellungen

E: 1975 WollerauGalerie Angelo. 1978 GrenchenAtelier Galerie. 1979 Zürich Galerie Lempen (Kat.) – 1979/85 Basel Galerie Atrium. 1981/92/96 SolothurnKünstlerhaus S 11. 1983 ZofingenGalerie media. 1983/88/93/98 ZürichPaulus Akademie. 1989 Luzern Galerie im Rothenburgerhaus (K). 1993 OltenGalerie Zeta; 2001 Kunstmuseum. 1997/2000/09 Balsthal Galerie Rössli. 2001 Pfäffikon(SZ) Seedamm Kulturzentrum. 2004 ChurStudio 10. G: Ab 1970 Kantonale Jahresausstellungen, Oltner Kunstmarkt, Wandergalerie A6. 1975 Biel 6. Schweiz. Plastikausstellung (K). 1976 ViraGamborogno (TI) Nationale Plastikausstellung (K). – Lausanne 2. Biennale der Schweizer Kunst (K) 1978 Winterthur 3. Biennale der Schweizer Kunst (K). – 2003 Werkhalle Oxyd Wülflingen, „3 Solothurnerinnen“; 2007 „Farbe wörtlich“; 2010 „oxyd“.  1979 Pfäffikon (SZ) Seedamm Kulturzentrum, „30 junge Schweizer Künstler“ (K). – ZürichStrauhof, „16 Solothurner Künstler“. 1980/83 Basel Galerie Fina Bitterlin. 1981 Olten Kunstmuseum und Stadthaus, „Solothurner Kunst der Gegenwart“ (K). – 1994 Kunstmuseum, „70 Jahre Schweiz. St.-Lukas-Gesellschaft“ (K). 1986 Brig„Repères/Merkzeichen“ (K). – 1998 Galerie zur Matze, „Schweizer Bildhauer als Zeichner“. 1991 Luzern „Kunst im Gebiet der Kirche“ (K).  1992 Solothurn Palais Besenval, „Kleinformate“. – 1993 Franziskaner-Kirche, „Bilderwand“. 1996 Trimbach/Olten ehem. Rentsch-Gebäude, „Zwischennutzung“, 13 Installationen (K). – Wasseramt, „Kunst-Linie“ (Freilichtausstellung, K ).1999 AarwangenKunstgarten Hedy Ernst, „unterwegs – aussen – innen“.  2000 Wasseramt „www.containeronline.ch“ (Freilichtausstellung, K). 2002 GrenchenKunsthaus, „Engel & Co.“ 2004 LostorfSchloss Wartenfels „Offene Augen – geschlossene Lider“; 2008 „Hinterglasmalereien“.

 

Bibliographie:

Lexika: Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst (1981/ 1998).

Veröffentlichungen:

1976 H.R. Autengruber in „Schweizer Kunst“ Nr. 2/30. 1981 Solothurner Almanach. 1981 Nino Weinstock in Faltblatt Gal. Fina Bitterlin, Basel. 1984 Peter Killer in Kat. Kunsthauskeller Biel. 1996 Annelise Zwez in Aargauer Zeitung vom 28. 12. 1996 – 2009 in „Kunstbulletin“ 5/09. 1996 Marianne Gerny-Schild in Kat. Ausst. „Neu ausgedrückte Spiritualität“, Stadthaus Olten. 2000 Barbara Miesch in Kat. „Neubekannt“, Gal. Rössli Balsthal. 2001 Madeleine Schüpfer in Neue Mittelland-Zeitung 6.10. 01 – 2002 „Oltner Neujahrsblätter“ – 2009 Oltner Tagblatt 13.6. 2009.  2007 Peter Killer in „Olten um 1970: Die gloriosen Jahre“ (Kunstverein Olten).  – Pia Zeugin „Was bringen kantonale Preise“ in Solothurner Tagblatt 9.11. 2007. –  2009 Eva Buhrfeind in Solothurner Zeitung 30.4. 2009.

 

                                                                                                                                Annelise Zwez