Lis Kocher Biographie

Allgemeines Künstler-Lexikon Band 82

Autorenversion des Textes für das bei De Gruyter (ehemals Saur-Verlag Leipzig) erscheinende „Allgemeine Künstlerlexikon – Die Bildenden Künstler aller Länder aller Zeiten“, erschienen in Band 82, 2013

Künstlername: Kocher Lis

Sortiernahme: Kocher Lis

And. N-Komb.: Lis Ananas

Cf-Künstler: 1966 bis 1976 Partnerschaft mit Dieter Seibt  (70er-Jahre)

Geschlecht: f

Bildkünstl. Beruf: Malerin

Staat (aktuell): Schweiz

GEO-Nachweis: Schweiz

Geburtsdatum: 17.02.1942

Geburtsort: Bern

Letzte Erw.: 2013

Tätigkeitsort:

Biel, Courtelary, Carona, Montefalco, Antibes

Lis Kocher, in Magglingen bei Biel wohnhafte Schweizer Malerin. * 14. Februar 1942. Der Vater ist angestellter Kaufmann. Die Mutter versucht ihre 6 Kinder frei von Zwängen zu erziehen. 1964-1966 Primarlehrerin in Biel; Kurse bei Max von Mühlenen in Bern. Ist Teil der Szene um xx Sergius Golowin. Malt figürlich, erzählerisch mit  surrealistischen und pop-artigen Referenzen. Wohnt mit Dieter Seibt in Bauernhaus in Port; es wird gejazzt, gefeiert, gefestet. Ihre Traumboxen (Polyester bemalt) liegen im Trend der Zeit.1968 zurück in Biel. 1970 Eidgenössisches Stipendium (auch 1975). Heirat, Umzug in Bauernhaus nach Courtelary im Berner Jura. Empfängt Künstler aus dem In- und Ausland. 1972 Geburt von Selina. Die naturnahe Umgebung beeinflusst ihre Motivwelt. Betreibt mit Seibt den Kinderzirkus “Ananas” (Film von Clemens Klopfenstein)  Die Hand als Zeichen des Ichs wird Bildmerkmal, die “Erzählung”  zur seriellen Abfolge. 1976: Zieht mit Selina ins Künstlerdorf Carona (TI), wo zeitweise auch Meret Oppenheim lebt. Arbeitet intensiv; auf Leinwand, auf Papier. Poetisch-Surreales dominiert. Trotzdem: Vor der Eröffnung bei Jörg Stummer in Zürich übermalt sie 1976 alle Bilder mit grauer Farbe (Film von Bruno Hubschmid). Schreibt mit dem Basler Philosophen-Freund Hans Saner ein Manifest. Neuorientierung: Die eigene Verortung zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit  wird Thema. Die „Couvert-Bilder“ (Briefumschläge) fragen und verschweigen. 1977 Aeschlimann Corti-Stipendium. 1978 zurück in Biel, Werkbeitrag der Stadt Biel. Trennung von Seibt. Anderfuhren-Stipendium (1980). Ab 1981 teilweise in Montefalco (I). Es entsteht die grosse Serie der Selbstbefragungen, in denen oft nur Arm und Pinsel, zuweilen auch Kopf mit Arm und Pinsel, aus dem gestisch gemalten Umfeld herausragen. Partnerschaft mit dem Bieler Unternehmer und Seefahrer Jean Nydegger. 1983: Einzelausstellung im Museum Allerheiligen in Schaffhausen. 1986-1995 (teilweise bis 1998) mit den Segelbooten Titi Belle und Loca Lola I und II unterwegs zwischen Indischem Ozean, Nord- und Südatlantik, unterbrochen von Landaufenthalten in Antibes und der Schweiz. Die Gesetze des Meeres strukturieren die Bildwelt, Expressives tritt zurück. In den “Ex Votos” und anderen Serien verweben sich linear Fliessendes und erzählerisch Zeichenhaftes, Gegenständlich-Surreales und Abstrakt-Ungegenständliches. Unterwegs entstehen vor allem Zeichnungen, auch kleine Objekte, an Land u.a. die grossformatigen “Meteo”-Bilder auf Leinwand, die  kartographisch und durchsetzt mit persönlichen Versatzstücken äussere und innere “Wetterlagen” aufzeichnen. Ab Mitte der 1990er-Jahre geht die Intensität der Teilnahme am Kunstbetrieb zurück. Ist vermehrt in Magglingen ob Biel sesshaft; Heirat.  2000 Bau eines eigenen Atelierhauses daselbst. Arbeit im Stillen. Die Bilder wachsen aus Intuition und Erinnerung.  2009 stirbt Nydegger nach langer Krankheit. Die Malerei auf Leinwand steht am Rand der Abstraktion, wellenförmig wiegende Bänder bilden Ströme mit Durchblicken in satte, farbige Welten.

Selbstzeugnisse:  keine

Werke des Künstlers mit Standortnamen:

BERN Sammlungen Kanton Bern, Stadt Bern, Schweizerische Eidgenossenschaft, UBS AG, Berner Kantonalbank.  BIEL Sammlung Museum Pasquart, Städtische Kunstsammlung, Gymnasium Strandboden. LUGANO Banca della svizzera italiana (BSI). RAPPERSWIL KunstZeugHaus/Sammlung Peter Bosshard. SCHAFFHAUSEN Museum Allerheiligen. ZÜRICH Sammlung Julius Bär AG, Schweizerische Nationalbank.

Ausstellungen

E: 1966 Biel Galerie Socrate; 1969 Kunsthauskeller, 1971 Galerie 57 Silvia Steiner (auch 79,83,89), 1985 Gymnasium Strandboden. 1967 Genf Galerie Zodiac. 1973 Zürich Galerie arben art, 1974 Galerie Stummer (auch 1976, 78, 83), 1987 Galerie am Rindermarkt. 1980Wuppertal Aktionsraum 360°. 1982 Bern Galerie Martin Krebs (auch 85), 1992 Berner Galerie. 1982 Basel Galerie Fina Bitterlin. 1983 SchaffhausenMuseum Allerheiligen. 1994 BurgdorfGalerie Toda Bechstein. 2012 ErlachGal. Mayhaus, Retrospektive. G: 1973 „Tell 73“ (Wanderausst. CH, Kat.), Schaffhausen, Museum Allerheiligen „Kunstmacher. 1975 BernKunsthalle  Grossformate“, 1981 8. Berner Ausstellung, 2012 „Cantonale Berne Jura“. 1976 Südamerika (mehrere Stationen): Pro Helvetia, Junge Schweizer Künstler 1980 Biel Schweizerische Plastikausstellung (Kat.), 2000 CentrePasquArt, „Au centre l’artiste“ (Kat.), 2012 „Au joli mois de mai“ (auch 2013). 1981 Basel Galerie Felix Handschin, „Hammer II“ (Kat.), 1994 LangenthalKunsthaus, Berner Biennale (Kat.) 1999 Erlach„7 Künstler –7 Räume“, Galerie René Steiner, 2002/08/10 „File Rouge“. 

Bibliographie:

Lexikon der zeitgenössischen Schweizer Künstler, Schweiz. Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, 1981

Künstlerverzeichnis der Schweiz. Unter Einschluss des Fürstentums Liechtenstein. 1980-1990, Schweiz. Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, 1991

Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, Schweiz. Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, 1998.

Online-Lexikon und Datenbank zur Kunst in der Schweiz und in Liechtenstein (www.sikart.ch), Schweiz. Institut für Kunstwissenschaft, Zürich. Fortlaufend.

 

Veröffentlichungen:

Sergius Golowin in Zürcher Woche/Sonntagsjournal, 8./9. Nov. 1969. Annemarie Monteil in „Weltwoche“, 15.9.1974. WM in „Journal du Jura“, 9.10.1975. Johannes Gachnang in Bulletin Galerie im Trudelhaus, Baden, 1980. Hans Saner in „Schweiz. Kunst-Bulletin“, 12/1983, dito in „Begegnungen im Atelier“, Kunstverein Biel, 1991. Fred Zaugg in „Lokaltermin Atelier –das Aeschlimann-Corti-Stipendium 1942-1987“, Bernische Kunstgesellschaft 1988. Georges Luks in Bieler Tagblatt, 30.11.1991. A. Zwez, Eröffnungsrede Berner Galerie, März 1992, auf www.annelisezwez.ch, in Bieler Tagblatt vom 24. 9. 1999. „egs“ in Burgdorfer Tagblatt, 19.5.1994. Clara Brachvogel in Bieler Tagblatt, 1.11.2012 

Annelise Zwez