Newsletter Website Jan 2021

M.S. Bastian „Bastians Bar“ 2003. Nach einem Bild von Edward Hopper. Anwesend sind die für M.S. Bastian in dieser Zeit wichtigen Personen, seien es Freunde oder Vorbilder. Bastian selbst ist die Figur 2 am Rand rechts. Ganz in der Nähe (26c) Isabelle.

Es ist das erste Mal, dass ich mir überlegen muss, was ich denn in diesen Newsletter schreiben soll. Sonst ist es doch eher eine Qual der Wahl  mit welchen Ausstellungen ich mich etwas vertieft auseinandersetzen und sie im Newsletter kommentieren will. Jetzt habe ich aber  coronabedingt seit Wochen praktische keine Ausstellungen mehr gesehen!  – Nun: Auf Facebook gibt es eine Seite, die heisst «Kunst daheim». Das gibt mir die Idee, einige Werke aus meiner Ansammlung von Zeichnungen, Bildern, Fotografien, die mir aus verschiedensten Gründen besonders nahe sind, ins Blickfeld zu rücken. Grundsätzlich habe ich zu allen Werken, die aktuell bei mir hängen, eine Zuneigung. Andere, die irgendwie aus der Zeit gefallen sind, lagern in der «Bilderkammer» und wieder andere sind gar nicht hier, sondern in meinem Studio in Lenzburg oder an den Wänden bei meinen Kindern in Bern, in Wohlen, in Stäfa.

Das Titelbild von M.S. Bastian, die «Bastian-Bar», datiert von  2003 und ist seit 2005 bei mir. Gekauft habe ich das auf der Kopie einer Arbeit von Edward Hopper beruhende Bild in der One-Man-Show von M.S. Bastian (damals signierte er noch nicht mit «Bastian und Isabelle») im Kunsthaus Grenchen und zwar weil ich schnell erkannte, dass es eine Art Schlüsselbild ist, weil Bastian hier alle jene «porträtiert» hat, die ihm wichtig sind, von Hans Schärer über Atak, David Shrigley, Tintin, C. Lambert, August Walla bis… Isabelle. Auch fand ich die Idee, den Hopper nicht selbst zu kopieren, sondern ihn von einem «Plakatmaler»  (in Sri Lanka?) malen zu lassen, gefiel mir als eine Art Win-Win-Aktion.

Aus ganz anderem Grund habe ich das Bild von  Lex Vögtli , «Der Wächter» von 2007 für diesen Newsletter gewählt. Mich faszinierte an der Jahresausstellung in Olten die Assoziation zu «Le singe peintre» von Chardin respektive dessen Aneignung durch Rémy Zaugg  und dann natürlich (wie so oft bei mir) auch der surreale Touch und ebenso die Kaffeetasse in deren «Satz» eingeschrieben scheint, was der «Wächter» so alles sieht mit seinen Kugel-Augen. Das Bild hängt seither neben meinem Arbeitsplatz und der Blick des kleinen, aufmerksamen Narren bringt mich bis heute immer wieder zum Schmunzeln.

Erneut ein ganz anderer Hintergrund für die Wahl: Die Zeichnung von Ilse Weber, die ich 1994/95 von Marie-Louise Lienhard erhalten habe, und die seit langem in meinem Schlafzimmer hängt, ist so unglaublich stimmig für die frühen 1970er-Jahre als  die KünstlerInnen insbesondere im Aargau und der Innerschweiz die eigene Befindlichkeit, oft in sehr poetischen Umsetzungen, zu thematisieren versuchten. Und überdies ist sie ein sehr schönes Beispiel dafür wie ältere Künstlerinnen (Ilse Weber lebte von 1908 bis  1984) mit und nach der 68er-Bewegung gleichsam jung wurden.

Und noch einmal anders: Eines Tages erhalte ich von einer Galeristin einen Anruf. Sie sagt: Ich habe da im Lager noch eine Figur von Ruth Burri, für die ich einfach keinen Platz mehr habe. Aber ich weiss, so meint sie weiter, einen Ort, wo es dafür Platz hat: Bei Dir im Estrich! Das konnte und wollte ich nicht ablehnen, denn a) gab es da tatsächlich einen sehr guten Platz für die Skulptur und b) kannte ich sie. Eine Foto davon bildete 1992 das Cover des Kataloges der GSMBK-Wanderausstellung  durch die Tschechoslowakei, die ich in Plzen (Pilsen) besucht  und darüber geschrieben hatte. Künstlerisch ist es aber vor allem  der heitere, freche, der Frauen-Zeit gewidmete Ausdruck der Figur, die ich mag. Und die Tatsache, dass Ruth Burris frau- und körperbetontes Schaffen bis in die frühen 1970er-Jahre (als sie mit der Familie  in Sao Paulo lebte)  zurückreicht, sie also eine Pionierin des feministischen Aufbruchs ist. 2019 ist Ruth Burri verstorben.

Last but not least: Eine Fotografie von Kathrin Freisager aus der Serie «Color of Skin», welche 1998 in New York entstand. Die Künstlerin verstand sich in dieser Zeit sowohl als Fotografin wie als Regisseurin. Entsprechend ist die Abgebildete nicht Kathrin F., sondern eine Schauspielerin, mit welcher die Künstlerin die Einsamkeit in einem Hotelzimmer in NY zum Ausdruck zu bringen sucht. Als ich die Arbeit bei der damaligen Galerie Art Magazin in Zürich entdeckte, wusste ich von meinen Studienjahren in Grenoble respektive Cambridge sooo gut wie sich das anfühlt, dass ich vier zusammenhängende Beispiele aus der Serie erwarb. Bis heute hängen sie in meinem Schlafzimmer und erinnern. Andernorts im Haus hängen weitere Foto-Arbeiten von Kathrin Freisager.

So viel für heute – ich gehe davon aus, dass der Newsletter Februar ganz einfach eine Fortsetzung sein wird!