Franz Fedier Galerie Regina Larsson Siselen (BE) 2005

Alterswerk mit jugendlichem Feuer

www.annelisezwez.ch         Annelise Zwez in Bieler Tagblatt vom 5. März 2005

Er war schon 1959 an der Documenta in Kassel vertreten und sein Werk fehlt in keinem Museum mit Schweizer Kunst. Jetzt schafft Franz Fedier sein Alterswerk.

Sie habe ein Flair für ältere Männer, lacht die Seeländer Galeristin Regina Larsson. Und offenbar schätzen auch ältere Maler ihr Engagement als Kunstvermittlerin. Letztes Jahr waren so markante wie Gian Pedretti und Werner Otto Leuenberger zu Gast in der Land-Galerie. Und jetzt Altmeister Franz Fedier. Der Berner, der ein Urner ist und für viele ein Basler hat nach besorgniserregender Krankheit vor zwei Jahren zu einem Alterswerk angesetzt, das bass erstaunt. Und der Markt hat es gemerkt; im Sommer war er prominent an der Art in Basel, dann in einer wichtigen Zürcher Galerie vertreten. Das überregional bekannte Tal Museum in Engelberg zeigt zur Zeit einen Werküberblick und Regina Larsson jetzt „neue Bilder“.

Es ist, als wollte der Künstler, der in der Schweiz ebenso bekannt ist als langjähriger Leiter der Malklasse an der Schule für Gestaltung in Basel (1966 – 1987) wie als Präsident der Eidgenössischen Kunstkommission (1987 – 1993), noch einmal klipp und klar zum Ausdruck bringen: Ich bin in erster Linie Maler. Als solchen hat man ihn, abgesehen vom Werk der 1950er- und 60er-Jahre, nämlich oft nicht ganz ernst genommen. Den 70ern war er zu wenig Konzept-Künstler, den 80ern zu wenig emotional, den 90ern zu wenig zeitgenössisch. Doch jetzt hat er das Glück, dass sein Schaffen mit der Neubewertung des Mediums Malerei, neue Blicke heischt. Und er die Kraft hat, alles noch einmal zu sagen, was ihm wichtig ist, was das Handwerk der Malerei an faszinierenden Einsichten hervorzubringen vermag.

1939-1941 hat der in Erstfeld aufgewachsene in Brugg eine Lehre als Flachmaler gemacht und dann beim Urner Heinrich Danioth (1896-1953) die Kunst des Wandbildes erlernt. Nach Ausbildungs-Wanderjahren wird er 1952 in Bern ansässig, just als da, dank Kunsthalle-Leiter Arnold Rüdlinger, die ungegenständliche amerikanische Nachkriegsmalerei Furore macht. Franz Fedier schwenkt ein und wird zu einem der Pioniere des Informel in der Schweiz. Doch eigentlich interessiert ihn nur eines, nämlich die Frage: Was kann Malerei, was kann Farbe auf Leinwand, welche Wirkung erzeugt welche Farbe mit welcher Technik? Wie ensteht durch Farbe, durch Licht und Schatten, Raum und Tiefe? Was ist Bewegung als Form? Erzählerische Inhalte interessieren ihn nicht.

Sind bis Ende der 1960er-Jahre noch individuelle Züge sichtbar, wird sein Schaffen ab den 70er-Jahren verstärkt geometrisch und damit auch anonymer, was ganz in seinem Sinn ist. Man nennt ihn den „Meister des Abdeckbandes“. Doch jetzt im Alterswerk bindet Franz Fedier die grossen Kapitel seines Schaffens zusammen, überlagert sie als Schichten: Die satt gemalten, geometrischen Formen, die gespritzten Winkelzeichen, mit dem Schwamm getupfte Schattierungen. Er lässt den Zufall mit der Überlegung spielen, bringt die Form, die Transparenz, das Licht und den Schatten in Kompositionen zwischen Statik und Bewegung; in Rot, in Blau, in Grün – das Gelb nicht vergessend. „Figuren“ seien es, sagt der Künstler; eher ihre Energie, denken wir.

In Siselen sind sowohl grossformatige Acrylbilder auf Baumwolle ausgestellt wie eine erstaunliche Zahl von Arbeiten auf Papier (etwas, das Fedier bisher selten zeigte). Gerade die farbigen Zeichnungen – zum Teil auf weichem Ton-Papier – verraten, dass der Künstler dem vielzitierten „spontanen Spiel mit Schablonen“ mannigfaltige „Exercises“ vorangehen lässt. Man muss eine gewisse Zeit in der Galerie verweilen bis man die Bilder „sieht“, bis das Auge seine „3D“-Fähigkeiten aktiviert hat. Dann öffnet sich die Geometrie der Fläche und zeigt die konstruktiven Räume aus Licht und Farbe, die der Künstler im Prozess des Malens hat entstehen lassen. „Das Faszinierende ist das Ungewisse“, sagte er einmal.