Lorenzo lekou Meyrs „Mouseum“, Biel 2009

Installationen im Puppenstuben-Format

www.annelisezwez.ch    Annelise Zwez in Kunstbulletin, Mai 2009

Nik Thönen durchbohrte es mit einem Staubsauger-Schlauch, Maria Ritter verwandelte es in einen Comic, Véronique Zussau zündete es an… das „Mouseum“ musste sich schon manches gefallen lassen.

Als Hardware ist es eine Puppenstube, die der Bieler Maler und Objektkünstler Lorenzo le kou Meyr (geb. 1967) 2004 anlässllich einer Sperrgut-Abfuhr am Strassenrand fand. Er richtete sie real ein und stellte sie als virtuell einsehbare Installation ins Internet. 

Warum nicht „kou’rator“ werden, sagt er sich daraufhin und lud Künstlerinnen und Künstler ein, es ihm nachzutun.

Seither haben 22 Kunstschaffende das Mouseum bespielt – als Museum im Museum (Haus am Gern), als Körper-Haus (Hannah Külling),  als Popcorn-Party (Adrien Horni/Michael Stauffer), als „Vernissage“.  „Für mich“, so Le kou Meyr, ist das „Mouseum“ eine Art Fortsetzung von Herbert Distels Schubladenmuseum aus den 1970er-Jahren“.

Gewährte das „Mouseum“  anfänglich meist fotografische Einblicke ins Foyer, den Salon, das Kabinett usw. , kamen bald schon Audio- und Videoinszenierungen, später auch animierte Sequenzen hinzu.

Aktuell ist das Projekt des Bieler Gestalters Olivier Rossel zu sehen. Geplant sind Interventionen von Aurélien Jossen, Maia Gusberti, Mirjam Gottier, Monika Loeffel u.a.  Dank dem Archiv der Website können die Projekte einer Sammlungsausstellung gleich eingesehen werden. Ein Surplus ist die wöchentliche Ausstellung des „Mouseum“ im Atelier-Schaufenster des Betreibers, lädt doch die trashige Realität des Modells im Vergleich zur geschönten Erscheinung in Netz wahrlich zum Nachdenken ein.  

www.mouseum.ch
www.lekou.ch
Ausstellung: Quellgasse 8, 2500 Biel, jeden Samstag 13-17 Uhr.

Bildlegende:
Das „Mouseum“: Installation von Nik Töhnen, Biel/Wien. Bild: Le kou Meyr