Urs Aeschbach Cécile Hummel Galerie Elisabeth Staffelbach 2002

Emotionale Räume zwischen Natur und Künstlichkeit

Was die Malerei des Aargauers Urs Aeschbach (46) auszeichnet, ist die emotionale Spannung zwischen Natur und Künstlichkeit. Zusammen mit der Baslerin Cécile Hummel (40) stellt er bei Elisabeth Staffelbach in Aarau aus.

Urs Aeschbach ist kein Vielmaler. Seine grossformatigen Bilder sind keine Reihen mit Variationen. Jedes ist eine Welt für sich, entstanden in mehrwöchiger Arbeit. So sind auch die Motive sehr verschieden. Aktuell treffen in der Galerie Elisabeth Staffelbach ein „Grosser Cocktail“, eine „Rotte“, „Vier Freunde“ und ein Stück „Nebelwald“ aufeinander. Urs Aeschbach greift aus der Vielfalt dessen, was ihm im Leben begegnet, Einzelnes heraus und macht es zum Bild. In der Rezeption seines Werkes ist dabei oft von kritischen Motivationen die Rede. Den „Grossen Cocktail“ kommentierte Barbara Zürcher kürzlich in einem Katalog mit der Frage, ob die gemalten Importfrüchte wohl genmanipuliert seien.

Urs Aeschbach spricht indes von einer Art „Liebesarbeit“, die er im Malprozess zu leisten habe, um den richtigen „Sound“ zu finden. Und meint damit die Spannung zwischen Malerei und Motiv, die sein Werk quer durch die disparaten Themen auszeichnet. Eine Spannung, die er als „Sound“ beschreibt und dabei von Volumen, Raum und Ausstrahlung spricht. Für ihn sei die „Rotte“, die in fantastisch-präziser Malweise Käfer, Larven und Würmer in einer Art Unterholz zeigt, darum weniger ein Vanitas-Bild, wie im selben Text von Barbara Zürcher postuliert, als Motiv einer gegebenen Ordnung. Diese ermögliche ihm, eine analoge künstlerische Bild-Ordnung zu bauen. Seine Motive, so Urs Aeschbach, wurzelten dabei zuweilen in einer schizophrenen Situation, das heisst, er wähle etwas, das er eigentlich hässlich finde und trotzdem auch faszinierend oder rührend.

Im langwierigen Malprozess suche er dann die emotionale Transformation, den Wandel der Ablehnung in Zuneigung, zum Beispiel indem er einem schäbigen Spielzeug-Lämmchen (in „Vier Freunde“) seine „Würde“ zurückgebe, ohne dabei die billige Materialität zu verneinen. Die Künstlichkeit der Malerei, die es erlaubt nachzuahmen, Ausdruck zu geben, ohne Rücksicht auf Proportionen Raum zu generieren sei ihm dabei Vehikel, Methode, sagt der Künstler. Die bei Elisabeth Staffelbach ausgestellten Bilder unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten, ist ausgesprochen spannend und bestätigt die malerische Stringenz und die Qualität seines Werkes.

Aeschbachs Bilder stehen in Kontrast zu den schwarz/weissen Pinselzeichnungen von Cécile Hummel. Was die beiden in Basel lebenden miteinander verbindet, ist eine langjährige Freundschaft verbunden mit spannenden Gesprächen, nicht nur über Kunst. Hinter der formalen Erscheinungsweise kann man indes durchaus eine Wechselwirkung erkennen. Hier wie dort geht es um emotionale Räume. Während Aeschbach diese in einzelne Bilder verdichtet, lässt sie Cécile Hummel – dem Medium der Pinselzeichnung entsprechend – als Gespräch zwischen rahmenlos an die Wand gehängten Blättern entstehen.

Raum meint dabei spannenderweise sowohl Körper-Raum wie umbauten Raum. Was innen und was aussen, was Vorstellung und was Abbild ist, geht dabei fliessend ineinander über. Ihre „Häuser“ sind oft aus Stoff gebaut, temporär, wandelbar, können Kleider assoziieren oder auch Zelte. Und die Möbel, die vielfach aufscheinen, stehen sowohl im Raum wie sie selbst auch Raum umschreiben. Sowohl Aeschbach wie Hummel nutzen die Fotografie als Hilfsmittel, doch während er sie mehr als formale Stütze einsetzt, sucht sie mit dem fotografischen Bild, das hier und dort auch in die Wandinstallationen integriert ist, den Dialog zwischen Realität und Fiktion.