Lebendige Waadtländer Kunstszene

Ralf Beil: Neu Konservator in Lausanne. Bis 19.02.2004

Rochade: Während Caroline Nicod von Lausanne ans PasquArt in Biel wechselte, ist der Berner Sparrunden zum Opfer gefallene Ralf Beil nun ab 1. Februar Konservator am Kunstmuseum in Lausanne.

Letzten Herbst fiel es zum ersten Mal auf: Für die Ausstellung „Le monde selon François Dubois“ zeichnete der Ende 2002 im Rahmen einer ziemlich tumultuös abgelaufenen Sparrunde vom Kunstmuseum Bern freigestellte Ralf Beil als Gastkurator des Musée cantonal des Beaux Arts in Lausanne. Die Ausstellung, für welche der 1965 geborene Kunsthistoriker Anerkennung einheimste, verfolgte das Thema von Religion, Gewalt und Tod ausgehend von einem Historienbild von François Dubois (16. Jh.) bis in die Gegenwart, primär anhand von Werken aus Lausanner Sammlungen. Es war sein Ticket für die Zukunft. Ab 1. Februar zeichnet Ralf Beil, der in Freiburg und Paris studierte, als Konservator am Museum, zusammen mit Catherine Lepdor und dem als „Direktor in besonderer Mission“ bezeichneten Yves Aupetitallot. Der primär in Grenoble tätige ist beauftragt, die Vision eines neuen, modernen Lausanner Kunstmuseums am Ufer des Genfersees voranzutreiben. Dieser Tage wird ein (vorläufig von privater Seite finanzierter) offener Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Anfangs 2005 soll das Projekt stehen.

Dass ein Deutschsprachiger am Waadtländer Museum tätig ist, hat Tradition – man denke an die Ära Erika Billeter oder später an den Basler Jörg Zutter. In letzter Zeit allerdings funktionierte das Scharnier Deutschschweiz/Romandie weniger gut und so liegt die Vermutung nahe, Ralf Beil möge dazu beitragen das Lausanner Museum wieder vermehrt national zu positionieren. Das gilt paradoxerweise bereits für die erste Ausstellung, die Ralf Beil in Lausanne begleitet, die Jahresausstellung der Waadtländer Künstler. Die Präsentation der in der Region tätigen Kunstschaffenden ist insofern überregional, als es erst die zweite ihrer Art ist und somit neue Einblicke in eine lebendige, viel zu wenig bekannte Schweizer Kunstszene gibt. Die „Weihnachtsausstellungen“, die in der Deutschschweiz geradezu ritualhaft stattfinden, haben in der Romandie keine Tradition.

Die Ausstellung ist streng juriert (Silvie Défraoui, Nadia Schneider u.a.) und zeigt dementsprechend überregional Interessantes. Unter anderem von Anne Blanchet, die kürzlich schon in Langenthal mit weissen, Licht evozierenden Arbeiten auffiel; von Jean Crotti und Jean-Luc Manz, die man auch schon in Biel sah, von Vincent Kohler, der 2003 auch im Rahmen des Eidgenössischen Stipendiums mit Arbeiten zwischen Heimatstil und Gegenwart auf sich aufmerksam machte. Mit Ausnahme des international bekannten Fotokünstlers Bernard Voïta, der den Preis der Jury gewann, sind jedoch die wenigsten bekannt. Auffallend ist, dass in der Stadt der einstigen Textilkunst-Biennale drei Positionen mit „Stickereien“ auftreten, zeitgenössischen natürlich, zum Beispiel wie Zeichnungen wirkende Tierminiaturen auf Servietten (Liliana Gassiot) oder „geflickte“ Leinwände (Jacqueline Benz). Was trotz internationaler Signale auch in Lausanne kaum auftaucht, sind inhaltlich (politisch) engagierte Arbeiten. Auf visuelle Erscheinung Ausgerichtetes dominiert; entsprechend pointiert wirkt die kleine, von Caroline Nicod kuratierte Einzelausstellung von Robert Ireland (Preis der Jury 2003), der systemische Ordnungen ausbreitet.