Andrea Muheim Galerie Haldemann Bern 2009

Der neue Blick nach draussen

www.annelisezwez.ch     Annelise Zwez in Kunstbulletin Jan/Feb 2009

Seit zwei Jahren richtet die in Zürich lebende Malerin Andrea Muheim (geb. 1968) ihren Blick nach draussen – in die Strassen rund ums Atelier, in die mit dem Auto befahrbare Landschaft.

Auf den ersten Blick ist es ein Bruch mit den gestickten, aquarellierten, seltener auf Leinwand gemalten Körper-Szenen, mit denen die Zürcher Künstlerin bekannt wurde. Doch die aktuelle Ausstellung bei Margit Haldemann zeigt, dass die Künstlerin weder Gestricktes und Gesticktes von Gemaltem trennt, noch die Strasse um das Sinnliche des Körperlichen bringt. Ja man ist angesichts der neuen Arbeiten sogar geneigt zu sagen, die nächtliche Langstrasse respektive die Iberegg im Winterlicht seien sinnlicher gemalt als die Liebeszenen gestrickt und die Porträts gestickt.

Eine gewisse Distanz zum allzu Nahen tue ihr gut, sagt sie, aber gleichzeitig, „Fotos, die ich nicht selbst gemacht habe, interessieren mich nicht“. Wenn die Erinnerung an den „Coup de foudre“ beim Blick in die Dämmerung, in den Widerschein von Lampen und Scheinwerfern, angesichts von Lichtirritationen bei einer Winterfahrt über Land fehle, so gebe es nichts, das beim Malen wieder einzufangen wäre, sagt sie.

Um dieser emotionalen Annäherung Raum zu geben, projiziert sie ihre Fotos nicht auf die nun zum Teil grossformatigen Leinwände, sondern malt die Motive aufgrund kleiner Fotoabzüge. Das gibt ihr sowohl formal und farblich wie vor allem atmosphä-risch die Freiheit, das Aussenbild dem Alltag zu entrücken, die Ölfarbe der Leinwand mit Pinseln und Fingern einzuverleiben als wäre die Oberfläche eine auf Berührung reagierende Körper-Haut.

Im Vergleich dazu wirken die neuen, grün in rosa eingestrickten Liebesszenen paradoxerweise geradezu unerotisch. –  Parallel zu Andrea Muheim werden in New York entstandene Fotografien des Berner Dokumentarfilmers Peter von Gunten gezeigt.