Newsletter Februar 2018

 

Aus dieser Ausstellung von Urs Aeschbach in der Galerie  „am Rindermarkt“ in Zürich kam 1987 das links hängende Bild (Öl auf Papier auf Leinwand) zu mir nach Lenzburg und später nach Twann.

 

Klar könnte ich hier jetzt Positives zur Ausstellung von Kemang Wa Lehulere und Klodin Erb in Biel oder zu den „Blinden Passagieren“ im Aargauer Kunsthaus sagen. Aber das mache ich für einmal nicht. Denn primär habe ich mich in den letzten Wochen mit meiner eigenen „Kunstsammlung“ beschäftigt. Man kann sich vorstellen, dass in 40 Jahren Kunstkritik auch bei der Schreiberin einiges zusammengefunden hat. Keine Markthighlights – aber viele, meist kleinere Zeichnungen, Aquarelle, vereinzelt Leinwände, Fotos, Drucke, Stickereien, Objekte, Skulpturen, Mischtechniken aller Art, mit denen ich gerne zusammenlebe. Gerade gestern abend habe ich im Pfahlbaumuseum das Licht angezündet, um es eine Stunde später wieder auszulöschen und mich an den fluoreszierenden Pilzen von Marianne Engel zu freuen!

Einige Arbeiten habe ich gekauft, weil ich sie bei mir haben wollte, andere sind als eine Art Tauschgeschäft – Text gegen Bild – zu mir gekommen, manchmal habe ich auch mit einem Ankauf Projekte ermöglicht, wieder andere sind „Dankeschön“ für dies und jenes.

 

Nun galt es – immerhin bin ich jetzt 70 – alles mal wieder à jour zu führen und vor allem zu fotografieren, damit meine Kinder die Werke dereinst ohne Mühe zuordnen können. Im Laufe des Ordnens habe ich mich gefragt, welche der frühesten Erwerbungen denn heute noch in meinem Umfeld hängen, also all die Jahre hindurch „wichtig“ blieben. In den 1970er-Jahren habe ich mich noch kaum getraut, etwas für mich selbst zu kaufen (wir Frauen mussten erst lernen, dass man das darf!), aber dieses kleine Aquarell von Jan Hubertus1 von 1973 ist mir immer noch ganz wertvoll. (Es kamen später weitere Werke dazu.)

 

Einen Schub gab meine neue Lebenssituation ab 1981/82 und die lauter werdende Frauenthematik in Kunst und Gesellschaft. Ich war nun ICH. Die doppeldeutige Zeichnung „vernetzt“ von Vreny Brand (Olten) steht für diese Zeit und bald danach erwarb ich den „Flügel“ von Erica Pedretti (die 2625 Franken waren für mich damals ein Vermögen!). Kunst erwerben hat immer auch mit Geld zu tun. So war der Umstand, dass ich ab 1987 in der Galerie von Max Amsler in Zürich zu Nettopreisen Kunst erwerben durfte, eine Verführung, der ich hin und wieder nicht widerstehen konnte (obwohl das Monatsbudget damals sehr eng war). Auf diese Weise kam z.B. 1987 die grossformatige Malerei auf Papier auf Leinwand von Urs Aeschbach (siehe Bild oben) zu mir. Täglich gehe ich daran vorbei.

Zahlreiche Arbeiten gründen in meiner Bekanntschaft mit der Galeristin Elisabeth Staffelbach, die ich als Kritikerin seit 1978 beruflich begleitete. Da erwarb ich z.B. 1992 eine der frühesten, kleinen Leinwände von Uwe Wittwer2. Dann kam ein Glücksfall. Ich erbte ein kleines Aquarell von Albert Anker. Heute würde ich es vermutlich nicht mehr machen, aber damals war für mich klar: Das brauche ich nicht, das kann man verkaufen, damit kann man zeitgenössische Kunst kaufen. Gedacht, getan. Was alles ich aus diesem „Konto“ bezahlte, weiss ich nicht mehr, sicher aber eine Gouache von Marc Antoine Fehr, die so treffend in mein altes, museales Haus passt.

Finanziell waren mir meist enge Grenzen gesetzt. So war der Notschrei einer in

Schwierigkeiten steckenden Freundin, der mich veranlasste eine dreiteilige Arbeit von Miriam Cahn zum Stampa-Originalpreis zu übernehmen, pekuniär kaum zu rechtfertigen, aber im Nachhinein ein Glücksfall. Ich liebe meine drei „Königinnen“.

Warum es in meiner Sammlung so viele Fotoarbeiten der Zürcher Künstlerin Kathrin Freisager hat, weiss ich eigentlich nicht. Aber ganz offensichtlich haben mich ihre Inszenierungen und neuerdings ihre „gemalten“ Fotografien immer wieder in den Bann gezogen. Als letztes kam 2014 „Liquid Landscape“ dazu – eine wunderbare Arbeit!

Es gäbe zu jedem Bild/Objekt, auf die ich auf meinen Gängen durchs Haus treffe, etwas zu schreiben! Aber fürs erste mal so viel.

 

1 Jan Hubertus (1920-1995) war ein in Indonesien aufgewachsener holländischer Künstler, der in den 1960ern in seiner Kunst eine Kehrtwende vollzog und zur Malerei seiner asiatischen Erziehung zurückkehrte. Ab 1965 lebte er in Baden, wo er auch als Lehrer tätig war. 1996 ehrte ihn das Aargauer Kunsthaus mit einer Einzelausstellung.

2 Uwe Wittwer (*1954) war zuvor ganz primär als Aquarellist in Erscheinung getreten.