azw Bastropolis 6_2016
azw in Bastropolis (Ausschnitt aus dem gleichnamigen Bild von M.S. Bastian/Isabelle Laubscher, z.Zt. ausgestellt im Gasthof Bären in Bellelay)

Verpasst! Verpasst! NICHT VERPASST! Verpasst! Verpasst! NICHT VERPASST!

Nicht verpasst: Marta Riniker-Radich – Manor-Preisträgerin Aargau (bis 7. Aug.) Die 1982 in Bern Geborene ist auf einer US-Basis in Panama aufgewachsen, studierte in Genf und blieb daselbst.Marta Riniker Radich AG KH 2016 Schon mehrfach fiel sie mir durch exakteste Abbild-Zeichnungen auf, zuletzt beim Vordemberge-Gildewart-Wettbewerb in Biel; jede Menge Schwerter, aus mehreren Jahrhunderten, in Vitrinen. Dazu die fiktive Geschichte eines Bruders, der diese sammelte. Und jetzt in Aarau eine Installation, die anhand der Gesundheits-lehre von Dr. Kellog (Erfinder der Cornflakes) die Ideale trendiger Körper-Kultur von heute thematisiert.
Doku-Fiktionen sind fast schon Mainstream. Texte, Objekte, Videos, Zeichnungen. Als Ensemble gut konzipiert, aber ausserordentlich sind eigentlich nur die geradezu magischen Farbstift-Zeichnungen funktionaler Körperorgane. – Nicht verpasst: Le „Joli mois de mai“ in Biel ­– 50 Vernissagen mit mehr als 100 KünstlerInnen in 25 Tagen, in der Alten Krone und in der Voirie. Seit 15 Jahren! Nicht die Kunst-Qualität macht den „Jolimai“ unverzichtbar, sondern dass er Plattform für das Netzwerk Kunst Biel ist. Jede(r) kennt jede(n) und weiss, womit er/sie sich medial und inhaltlich beschäftigt. Das findet man so in keiner anderen Stadt. Nicht verpasst: „Kein schöner Land?“ (Kunstraum Baden,bis Okt.): Zentral, so Kuratorin Claudia Spinelli, sei für sie darin die Frage, was die „Schönheit“ unseres Landes ausmache. Die Ausstellung zeigt sie, aber auch ihre gesellschaftliche Brüchigkeit. Mira Hartmann z.B. zeigt eine grossformatige Fotografie einer Schlauchboot-Fahrt auf einem Schweizer Fluss. Weil sie Bildern von Flüchtlingsbooten akkurat ähnelt, stockt beim Schauen der Atem. ausstellung-kein-schoener-land-im-kunstraum-badenAuch die an eine Lamellenstore erinnernde, semitransparente Papierarbeit von Ursula Rutishauser ist ambivalent, entpuppen sich doch die feinen Zwischenräume als „Stacheldraht“. In Lena Maria Thürings Video überlagern sich multikulturelle Lebens-Erinnerungen junger Frauen mit einer gemeinsam getanzten Choreographie. Top! Grenzwertig ist hingegen das Video eines Mannes mit Tourette Syndrom, der die Uno-Charta der Menschenrechte zu lesen versucht. Interessant: Die Künstlerinnen dominieren. Das Konzept gefällt, wirkt aber etwas allzu zusammengewürfelt.

Robert Estermann Bellinzona 6_2016
Robert Estermann Ausstellungsansicht Bellinzona

Nicht verpasst: Dimensione Disegno (Villa dei Cedri, Bellinzona, bis 7. Aug.). Die Ausstellung versucht die Zeichnung in den Raum zu weiten, eindrücklich z.B. in Robert Estermanns auf einer Treppe „liegendem“ Pferd oder in René Savarys Körper-Landschaft. Zur Zeichen-Skulptur weitet das Duo Lang/Baumann das Thema. Vieles, aber nicht alles ist spannend. Interessant ist: In der Südschweiz wird Musealität immer noch gross geschrieben; die Inszenierung ist darum für meinen Geschmack etwas zu zahm.

Es gäbe noch vieles zu beschreiben. Etwa Julia Steiners Installation in der Abteikirche von Bellelay (top), die Konzept-Kunst von Ull Hohn in der Kunsthalle Bern (durchdacht, engagiert, radikal), die Retrospektive von Ingeborg Lüscher in Solothurn ( vielgestaltig, eindrücklich), HausamGerns „Öffnungszeiten“ in der Kunsthalle Luzern (geballt), Ben Vautier bei Lange&Pult in ZH (träf), Andrea Wolfensberger bei Bob Gysin, usw. usw. Mehr nächsten Monat!