Newsletter Januar 2019

Blick auf die Bühne der Kunst in der Schweiz: Leinwand von Marc Antoine Fehr (2018 im Kunstmuseum Olten zu sehen). Foto: azw

Januar: Rückblick – Ausblick. Meiner Agenda folgend, habe ich 2018 zwischen 125 und 140 Ausstellungen in (grossmehrheitlich) Schweizer Museen und Galerien besucht (je nachdem wie man kleine respektive separate Ausstellungen in derselben Institution zählt). Da fragt sich natürlich, ob ich mich denn an alle erinnere? Jein. Bei Kollektiven wie der „Regionalen“ (BS) oder den „Cantonales“ (BE) bleiben nur einzelne Positionen hängen. Einzelausstellungen hingegen sind (noch) da.

Mein Trick: Ich mache in fast allen Ausstellungen Handy-Aufnahmen, die ich zuhause auf den PC übertrage und beschrifte. Das braucht Zeit und es kann durchaus sein, dass ich mich schliesslich nur an die fotografierten Werke erinnere und an die anderen nicht mehr. Aber: Es ist für eine Ü70 wie mich die einzige Chance, der Alters-Vergesslichkeit ein Schnippchen zu schlagen. Und das versuche ich. Darum darf ich wohl immer noch als Expertin für das Bilanz-KünstlerInnen-Rating fungieren, was jedes Jahr ein kleiner Challenge ist.

Dann frägt sich natürlich: Wie fällt das Rating in Sachen Ausstellungen aus. So von 1 bis 12 zum Beispiel. Schwierig, weil ich an eine Museumsausstellung, in Bregenz z.B., andere Ansprüche stelle als an eine Galerie-Schau in Biel.

Ein Versuch OHNE Rangordnung innerhalb von 1 bis 12:

Klodin Erb (Centre Pasquart Biel), Judith Albert/Anne Sauser-Hall (Kunstmuseum Solothurn), Bruce Naumann (Schaulager Basel), Marc Antoine Fehr (Kunstmuseum Olten), Sammlung Ketterer (Mobiliar Bern), Cécile Wick (Kunsthaus Grenchen), Su-Mei Tse (Aargauer Kunsthaus Aarau – siehe Bild), David Claerbout, (Kunsthaus Bregenz), Maria Lassnig, (Kunstmuseum Basel), Zilla Leutenegger, (Galerie Kilchmann Zürich), Sanya Katarovsky (Kunsthalle Basel), Tobias Kaspar (Kunsthalle Bern).

Als drittes frägt sich: Was habe ich ins KünstlerInnen-Rating der Bilanz eingegeben (Jan 2019). Fragestellung: Welches waren 2018 national und international die wichtigsten Schweizer KünstlerInnen? Dabei galt es heuer zum ersten Mal 15 bewährte und 10 jüngere Positionen aufzulisten.  (Die Liste wird dann im Quervergleich aller ExpertInnen auf 50 ausgeweitet). Obwohl ich aus strategischen Gründen die „Sieger“ (Armleder, Mosset, Signer etc.) schon lange wegliess, musste ich für die Rubrik der „Jungen“ (für mich die Jahrgänge 1975 bis 1990 ca.) auf die Suche. Und bin mächtig erschrocken: Während ich bei den Bewährten geradezu Mühe hatte, meine selbst gewählten 50% – 50% Gender-Parameter einzuhalten (es kamen mir zu viele wichtige Frauen in den Sinn), war es bei den Jungen mehr als nur umgekehrt!

Das heisst: aufsteigende Männer-Positionen ins Formular einzutragen war kein Problem. Aber wo, um Himmels willen waren die jungen Künstlerinnen, die mit

30/40 Jahren bereits international auf sich aufmerksam machen? – Shooting-Star Claudia Comte, sicher, auch die Julia Steiner (Galerie Meile, Luzern/Peking – Bild: „Cantonale Berne/Jura“, Moutier 2018/2019) ist mit Jahrgang 1982 noch jung. Aber dann…. Haben wir da dasselbe Problem wie in der Wirtschaft? Will heissen: während die Kinder klein sind, ist eine Landesgrenzen sprengende Karriere nicht möglich? Ich habe die fünf dann doch gefunden, aber die Parallele ist wohl richtig und das stimmt mich sehr nachdenklich! Darum: Guter Vorsatz für 2019: Spezialbrille für junge Künstlerinnen!