Newsletter November 2017

Apéro Sciaredo 2014

SCIAREDO. ADIEU GEORGETTE! 10 Jahre lang habe ich mich für die 1932 als „Mon Rêve“ der Winterthurer Künstlerin Georgette Klein (1893-1963) erbaute „Casa Sciaredo“ am südlichen Zipfel der Collina d’Oro nahe Lugano eingesetzt. Schliesslich fast mit Haut und Haar. Jetzt bin ich zurückgetreten, daran loszulassen, mich nach der Essenz zu fragen.

Ein Kernerlebnis hatte ich um 2009/10. Im Stiftungsrat herrschte Chaos. Ich stand auf der Dachterrasse der Casa, über mir der Sternenhimmel. Sollte auch ich gehen? Dann war plötzlich klar: NEIN! Da strömte so viel Kraft um mich und – rationaler – da war eine Frau, deren Intelligenz, deren Talente ein Leben lang im Elfenbeinturm blieben, weil die Gesellschaft keinen Platz für sie hatte. Nicht für sie und nicht für andere. Darum musste/wollte ich ihr mit meinen Mitteln (jenen des Recherchierens, des Analysierens, des Schreibens) Gehör verschaffen. Drei grössere Texte habe ich in der Folge geschrieben, oft auf der Basis von Arbeitsaufenthalten in der Casa selbst. Nirgendwo spürte ich GEO (wie sich Georgette Klein nannte) mehr; was sie tat, dachte und – vor allem auch erträumte.

Ich dachte nie an eine Publikation; mir schien eine Website zeitgemässer. So erarbeitete ich eine Vielzahl von Themen, die vom Werkbund Schweiz in internet-adäquater Form aufgeschaltet wurden. Nicht nur Hintergründe sollten nachgelesen werden, auch – einem Tagebuch gleich – das was in dem als Künstlerhaus geführten Haus an neuen Ideen verwirklicht wurde. So schrieb ich fortan und auch rückwärts kleine Texte zu allen (oder fast allen), die in Sciaredo weilten, von den Naturgängern bis zu den mit Licht und Schatten Spielenden, den traditionellen ebenso wie den experimentellen MalerInnen, ObjektkünstlerInnen, FotografInnen, Videasten, PerformerInnen und mehr.

Nach der ersten grösseren Renovation der baulich heruntergekommenden Casa im Jahr 1999 – sie gilt heute als Architekturjuwel und steht unter Denkmalschutz – war das Thema Haus-Unterhalt bescheiden, doch nach und nach kamen Mängel zum Vorschein – ich wurde, zusammen mit andern aus dem Stiftungsrat, zur Hausverwalterin, kombinierte meine Aufenthalte mit Handwerkerterminen, lud auf Wunsch der Stiftung zum öffentlichen „Apéro Sciaredo“. Dann kam – ungewollt – auch noch die Buchhaltung zu mir und die Stiftungsverwaltung und der Garten (!) und, und, und….plötzlich war es einfach nur noch VIEL! – Doch eine zweite Renovation war überfällig; Pläne wurden erarbeitet, doch woher das Geld dazu nehmen? – Es gab nur eines, die See-Anlegestelle, die über GEO’s Vater in die Stiftung kam, verkaufen. Hochkonjunktur. Es gelang. Zu einem guten Preis! Und der Kanton Tessin zog auch mit und die Stadt Lugano dito und die Eidgenossenschaft auch. Trotzdem: Viel Arbeit – insbesondere für den Stiftungs-Architekten.

ABER: Nach der gelungenen Renovation darf ich gehen. Es soll nun ein erneuerter Stiftungsrat zu neuen Horizonten aufbrechen. Ich habe getan, was ich vermochte. ADIEU Georgette!

 

Die Website der Fondazione Sciaredo: www.fondazione-sciaredo.ch