Mette Stausland Elisabeth Heller Galerie Elisabeth Staffelbach Aarau 2001

Ordnung schaffen und Lust zeigen

Die eine lässt die Kohle tanzen und fängt sie dann in Strenge. Die andere lässt der Lust freien Lauf und malt sie auch so. Streifen und Rosen. Mette Stausland und Elisabeth Heller bei Elisabeth Staffelbach.

Kohlezeichnungen auf fasrigem, grauem Papier und überarbeitete Lithographien sind es, die Mette Stausland in Aarau zeigt. Der Strich, als Lineatur oder zur Fläche verdichtet, bestimmt die abstrakte Form und deren Rhythmus im Bild. Elisabeth Heller hingegen zeigt versunkene und schwebende Rosen, weisse und schwarze Katzen, mit satten Oelfarben auf Leinwand gemalt. Gegensätze bestimmen die neue Ausstellung bei Elisabeth Staffelbach an der Laurenzentorgasse.

„Les extrèmes se touchent“, sagt man. Das gilt auch hier, sind doch die einen Bilder in gewissem Sinn die ungegenständliche Entsprechung der anderen. Das heisst: In den grossen, neuen Zeichnungen von Mette Stausland überlagern sich, obwohl an der Oberfläche nurmehr indirekt sichtbar, mehrere Schichten. Die Arbeit beginnt mit grosszügiger, freier Körperbewegung, mit dem Tanz der Kohle auf dem Papier. Radiergummi, Wasser und Schaber lösen den wilden Anfang indes wieder auf oder, anders ausgedrückt, disziplinieren ihn über rhythmische, vertikale Streifen. Es ist nicht in erster Linie die rauhe Papieroberfläche, die den Prozess zeigt, sondern die sich bei vertieftem Schauen in Bewegung versetzenden Spuren. Die Vibrationen, welche die Strenge auflösen und dem Bild unglaubliche Dynamik verleihen. Was sich in früheren Zeichnungen in die dritte Dimension weitete, wird nun mehr denn je aus der scheinbaren Statik katapultiert. Mette Stausland zeigt Emotion und Ordnung als komplexe, ungegenständliche Schichten verschiedener Formen von Energie.

Die gegenständlich arbeitende Elisabeth Heller hingegen bündelt ihre gefühlsmässigen Impulse in Dinge der visuellen Welt. Dabei ist ihr Credo nicht, was Angst macht, sondern was schön ist, was mit Liebe, Sinnlichkeit, Anhänglichkeit besetzt ist. Rote Rosen mit sinnlichen Lippen, weisse Katzen mit buschigem Fell, ein bunter Duschvorhang. Kitsch wird bewusst ausgereizt. Ziel ist nicht die Brechung in Ironie, sondern die Übersetzung in Malerei. Und da kommt nun mindestens dieselbe Disziplin zu Zuge wie bei Mette Stausland. Heller überträgt die Motive nicht via Projektor oder ähnlich auf die Leinwand – nein, sie bildet malend möglichst genau ab. Und zwar selten nach Natur, sondern nach Abbildungen oder Fotografien, denn es geht nicht um die Rose, die Katze etc., sondern um das Bild davon, um das, was die Motive aufgrund ihrer Werte-Zuordnung an Clichés beinhalten. Dass die Rosen keine Dornen haben und die Katzen keine Krallen zeigen, gehört darum zum Bild, das seine eigene Künstlichkeit gerade dadurch nie verleugnet.

So zurückhaltend und konzentriert die Zeichnungen von Mette Stausland erscheinen, so getragen von Körper, Bewegung und Emotion sind sie. Und so üppig und farbig die Malerei von Elisabeth Heller ist, so konzentriert ist ihre malerische Erscheinung und die collageartig akzentuierte Komposition. Eine spannende Ausstellung, die noch gewinnt unter Zuzug der überarbeiteten Lithographien und Zeichnungen von Mette Stausland. Denn in ihnen verdoppelt sich durch Umkehrung des Prozesses die Bedeutung verdichteten und freien Ausdrucks. Indem sie den Strich zu Fläche gerinnen lässt, diese – in verhaltenen Farben – druckt (so wie früher zum Teil farbige Papiere nutzte) setzt sie die Strenge, die Ordnung an die Basis und lässt im freien Strich daraus und darüber, subtile Bewegung, Gefühl, Körper sichtbar werden.