Schmidt Pavel Galerie 25 Regina Larsson Siselen

Bald goldige Zeiten im Museum PasquArt

Annelise Zwez, Bieler Tagblatt, 12. Oktober 2007

Pavel Schmidt gehört zu den aktivsten Künstlern der Region: Pavel Schmidt (51). Nach Espace Tinguely und openArt 07 stellt der Nomade mit Sitz in Magglingen aktuell in der Galerie 25 in Siselen aus. 

Diesen Sommer hatte Pavel Schmidt eine bedeutende Einzelausstellung im Espace Tinguely in Freiburg. Dem Katalog stellte er ein Werk mit dem Titel „In vino vanitas“ voran – eine Vitrine mit einer Präzisionswaage, einem Totenkopf in der einen, einem weingefüllten Destillationsobjekt in der anderen Schale. Die symbolische Visualisierung von (chemischen) Prozessen, die Vollkommenheit anstreben und in der Zeit doch dem Verfall anheim gestellt sind, durchziehen das Werk des 1956 in Pressburg geborenen Bieler Künstlers wie ein roter Faden; auch die aktuelle Ausstellung in der „Galerie 25 by Regina Larsson“ in der umgebauten Käserei in Siselen.

Zu sehen sind zum einen eine Reihe von (typischen) Venus- und David-Skulpturen sowie mehrere Zyklen farbiger Pinsel-Zeichnungen, wobei die titelgebenden „Leben&Scheiden, Mange Mon Ange“ sowie „Liebend aus Liebe scheiden“ – beide in diesem Jahr entstanden – besonders eindrücklich sind. Die Sexualität, die in Pavel Schmidts Werk wichtiger Antriebsmotor ist, ist eines der zentralen Motive der Kunstgeschichte. Eigenartigerweise ist sie jedoch in der zeitgenössischen Kunst sehr stark zurückgedrängt – als würde die Präsenz von Pornographie auf der einen, die neue Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft auf der anderen Seite das bildlich dargestellte Begehren nicht erlauben. 

Pavel Schmidt kümmert sich nicht darum und ist nicht nur darin ein Unzeitgemässer. Sein Werk ist eine Art zeitgenössischer Barock zwischen Höhenflügen und Verfallsthematik; stets mit einer Spur Resignation. Er ist Künstlern wie Jean Tinguely und Daniel Spörri, dessen Assistent er in München einst war, näher als der jungen Szene, ist aber gleichwohl alles andere als ein Epigone, ein Nachahmer. Das spüren auch die Kunstvermittler und darum wundert es nicht, dass auf die von Yvonne Lehnherr in Freiburg eingerichtete Ausstellung nächstes Jahr eine von Guido Magnaguagno betreute im Tinguely-Museum in Basel folgen wird.

In den genannten Zeichnungszyklen verlegt Schmidt die sinnlichen Wünsche des Mannes ins Innere des oder der Körper – stellt die inneren Organe als Prozess-Orte dar und legt sie dem mit Wein gemalten weiblichen Körper in den Schoss. Er tut dies nicht naturalistisch, sondern sehr subtil, dennoch intensiv und fast so etwas wie literarisch. 

Worte spielen bei Pavel Schmidt eh eine grosse Rolle. Wie viele, welche Deutsch lernen mussten, hört er Klänge und Zusammenhänge aufmerksamer als wir. Und so trägt denn auch jedes Blatt seinen Titel quasi in sich. „Das Sichtbare nährt das Unsagbare“ heisst es da etwa oder „ist der Sinn der Liebe nur sich selbst zu erfüllen?“. Da fügen sich aber auch die Begriffe „entwenden, zuwenden, abwenden und einwenden“ zum Kreuz. Und vielleicht fasst die Bezeichnung „Vergeblicher Lebenssorgengraben“ vieles zusammen.

Markant setzen sich auch die Skulpturen in Szene. Schmidt ist bekannt für Sprengungen – seien es Gartenzwerge oder millionenfach kopierte Venus- und David-Figuren; zerstörte Idyllen, gesprengte Träume von Schönheit und Unsterblichkeit. Immer wieder „heilt“ er sie aber auch wieder – mit „Leukoplast“; ein Unterfangen, das in der Kunst zur Skulptur, zugleich aber auch zum Vanitas-Objekt wird. Zuweilen wird Schmidt auch radikal, etwa in der Skulptur „Sich eine Scheibe von ihr abschneiden“, die den Oberkörper einer Zement-Venus zeigt, aufgesetzt auf einen Turm aus Schraubenmuttern, um den sich scharfe Messer in schwarzer Scheide drehen.

Parallel zur Ausstellung in Siselen sind auch im Centre Dürrenmatt in Neuenburg Werke des Künstlers zu sehen. Im Kontext des Symposiums „Kafka verschrieben“ (19./20. Oktober) zeigt Schmidt die Kafka-Zeichnungen, die ihm 2006 als Material für das im Stroemfeld-Verlag erschienene Künstlerbuch „f.k.“ dienten. Darin ordnet Schmidt seinen Zeichnungen unveröffentlichte Fragemente von Kafka-Texten zu.