Bordercross Kunstraum Baden

Die Grenzen des Zeichnerischen

Annelise Zwez, Aargauer Zeitung, 8. Januar 2008

Ausstellung Bordercross im Kunstraum Baden sprengt die Grenzen der Zeichnung, formal, inhaltlich und in der Präsentation.


Bordercross vereinigt vier Positionen von sieben Schweizer Kunstschaffenden zwischen 26 und 38 Jahren und verfolgt gemäss Stefi Binder, der Leiterin des Kunstraum Baden, zwei Ziele: Formal sollen die Ränder der Zeichnung ausgelotet, inhaltlich die Grenzlinie von Anziehung und Abstossung erkundet werden. Gelungen ist dies bezüglich des Mediums – da gibt es Zeichnung als Skulptur, als Performance, als gedruckte Tapete. Nicht im selben Mass überzeugt die Doppelbödigkeit von Verführerischem und Bedrohlichem – vermutlich weil das Thema zu wenig neu ist.

Anders gesagt: Die Arbeiten von Franziska Furter, Didier Rittener und der Badener Gruppe Maphia setzen mit interessanten Methoden Akzente in Bezug auf die Möglichkeiten der Zeichnung als Medium. Die Collagen von huber.huber hingegen sind keine Zeichnungen, antworten aber mit den Mitteln des Fantasy-Genres raffiniert auf die Spannung zwischen Erotik, Traum und Tod. Das heisst, das Konzept ist nicht ganz schlüssig, die Ausstellung deswegen aber mitnichten missraten. 

Den randständigsten Aspekt bietet Maphia mit Luca Basello, Jan Eichenberger und Silvio Meier, die ihre malerischen „Konzerte“ bisher in Ladengeschäften und Discos „aufführten“ und nun erstmals im Kunstkontext auftreten. Die drei haben einen Raum in den Raum gebaut. Rundherum zeigen sie individuelle Zeichnungen zwischen Konstruktiv-Alchemistischem, Surreal-Softem und Kafkaeskem. Im Innern jedoch malten sie in öffentlichen Sessions nach einem vorbestimmten Rhythmus ein raumfüllendes Wandbild zwischen fliessender Figürlichkeit und deren Auflösung. Die Entwicklung aus der Zeichnung heraus war, zumindest in den Anfängen, deutlich sichtbar.

Wesentlicher ist, dass hier eine von Sounds geprägte Generation versucht Momente der Musik, des Gruppenspiels in bildnerische Äusserung zu übersetzen. Nicht im Sinne eines gruppendymanischen Prozesses, wie ihn die Kunst schon in den 1970er-Jahren erprobte, sondern als eine Art Konzert.

Kunstgewohnter, aber nicht minder faszinierend ist der Scherenschnitt der in Basel und Berlin lebenden Aargauerin Franziska Furter, die aus schwarzem Papier, distelartige Blumen schneidet und drapiert und die Blüten zum barocken „Lüster“ komponiert. Hier bildet die Schere die Linien der „Zeichnung“. In andere Richtung dehnt der Waadtländer Didier Rittener die Zeichnung, indem er sie aus Abdrucken verschiedener Provenienz erst fügt und die zu sehende Landschaft eigentlich „Zufall“ ist. Diesen treibt er weiter indem er Teile davon dunkelt und vervielfältigt zur Wand-Zeichnung, zur Tapete klebt.