Hans Jörg Moning im Art Corner in Biel

Massgebend ist die Intensität

www.annelisezwez.ch Bieler Tagblatt, 20. Mai 2008

Hans Jörg Moning ist seit bald 40 Jahren Maler. Das heischt Respekt. Aber die Bilder im Art Corner kommen dennoch nicht über plakative Wirkung hinaus.

Wenn ein Maler, dessen Werk in Fachkreisen Nasen rümpfen hervorruft, keinen (finanziellen) Erfolg hat, kümmert das niemanden. Schafft sich ein Kunstschaffender im kommerziellen Kunstmarkt aber einen Namen, so wird er zum „umstrittenen“ Künstler. Der Bieler Hans Jörg Moning ist ein solcher Maler; die meisten älteren Bilder auf seiner Homepage tragen den Vermerk „verkauft“, obwohl die offiziellen Preise für Hauptwerke bei rund 20 000 Franken liegen.


Ein Fach-Blick in seine Ausstellung im Art Corner ist darum a priori ein kritischer.

Die vorherrschende Farbe in der Galerie ist ein rostiges Braunrot. Die knochige nackte Frau, die auf Zehenspitzen auf einem schmalen Absatz einer metallenen Architektur voranzukommen sucht, ist ebenso in monochromes Rostbraun getaucht wie die Wandecke, an der sie sich zu halten versucht. Ihre akzentuierten Rückenwirbel und seine Metall-Nieten markieren über die Farbe hinaus Zusammengehörigkeit.

Nach eigenen Aussagen ist der Rost für den Künstler Ausdruck unserer Zeit. Alles rostet und ist dem Untergang geweiht, die Erotik ebenso wie das Weltgebäude. So weit so gut. Aber, das Bild vermittelt das Wollen des Künstlers nicht. Die Umsetzung beschränkt sich auf eine plakative Zeichensprache, die weder von der Peinture noch vom innerem Ausdruck her unmittelbar betroffen macht. Es bleibt bei der Illustration einer Absicht ohne künstlerische Intensität. Die clichierte Männerblick-Erotik – das verführerisch Weibliche und das harte Metall –  dient dabei als Sehnsuchtsmoment und verweist gerade damit  auf die Definition von „Kitsch“, das heisst, es werden mit banalen Zeichen undifferenzierte niederschwellige Gefühle evoziert.

Dass Hans Jörg Moning konsequent beim Rost bleibt – nur mit wenig Farbe die Monotonie bewusst macht – spricht für den Künstler, der sich offensichtlich als umwelt-kritischer Künstler zeigen will. Wie auf seiner Homepage einsichtig, hätte  es bezüglich 2006/2007 auch heitere „Kinderspielplätze“ mit und ohne rauchende Vulkane und/oder Leopardenkatzen gegeben. Das eine lässt sich zweifellos besser verkaufen als das andere, aber zusammen gesehen verkommt das Werk so zur Beliebigkeit.

Auch in den in der Ausstellung zentralen „Biomorphen Maschinen“ gelingt es Hans Jörg Moning nicht über die grafische Darstellung des Themas hinaus zu kommen. Die Räderwerke aus der bereits nostalgisch wirkenden Zeit der Mechanik mangeln darin in ihrem Innern organische Gebilde, die an Gedärme oder auch Gehirne erinnern.

Das Thema der Kombination von Organischem und Mechanischem ist in der Kunst uralt und häufig sexuell unterlegt – man denke nur an die „Junggesellen-maschinen“. Bei den Bildern Monings stellt sich diese Assoziation nicht ein und auch von der Folter, die jeder Mensch angesichts der Zerstörung seiner selbst eigentlich aus dem Bild herausspüren müsste, dringt nichts in den „Bauch“. Die Ästhetisierung nimmt dem Bild die existentielle Inhaltlichkeit, die ihm der Künstler eigentlich gerne zuordnen würde.

Die Themen, die Hans Jörg Moning aufgreift, sind ablesbar, aber  es fehlt der Visualisierung im Bild die körperliche Nähe, die sie erfordern würden. Es bleibt bei der Projektion und das ist es wohl, was die Fachwelt angesichts des Oeuvres von Hans Jörg Moning auf Distanz gehen lässt.

Bis 30. Mai 2008

Anmerkung: Das Konzept der Kulturredaktion des BT sah vor, meinem kritischen Text einen wohlwollenden zweiten Text gegenüberzustellen. Da sich niemand fand, der obigem Text einen positiven entgegenzustellen bereit war (aus Zeitgründen oder weil er oder sie sich nicht mit der Kunstkritikerin messen wollte) wurde er schliesslich allein für sich publiziert.